Touchdown: Ausstellung von Menschen mit und ohne Down-Syndrom

Die meisten haben den Begriff Trisomie 21 (Down-Syndrom) wahrscheinlich das erste Mal in der Schule gehört. Man spricht vom Down-Syndrom, wenn das 21. Chromosom eines Menschen dreimal anstatt zweimal vorkommt. Geprägt wurde der Begriff von John Langdon-Down, er nannte es zu seiner Zeit „Mongolismus“.

Vor einigen Jahrzehnten wusste man noch nicht viel über diese Mutation der Chromosomen-Anzahl, doch heute sind Humangenetiker einen ganzen Schritt weiter und wollen aufklären, denn noch immer werden Menschen mit Down-Syndrom nicht von allen Menschen in der Gesellschaft akzeptiert. Dies will „Touchdown“ – die weltweit erste Ausstellung über und von Menschen mit Down-Syndrom – in der Bundeskunsthalle in Bonn ändern. Das Projekt wurde von Menschen mit und ohne Trisomie 21 auf die Beine gestellt. Denn wer könnte besser über dieses Thema reden, als die, die mit diesem dreifachen Chromosom leben?

Touchdown – diesen Begriff kennen wir aus dem Sportbereich. Es bezeichnet im American Football einen Erfolg und in der Raumfahrt eine Punktlandung. „Das Wort Syndrom ist oft negativ , deshalb haben wir lange überlegt, wie wir die Ausstellung nennen können. Das Wort ‚Touch‘ hingegen ist positiver. Wir wollen, dass die Gesellschaft mit Menschen mit dieser Chromosomen-Anzahl-Mutation in Kontakt kommt“, erklärt Projektleiterin Dr. Katja de Bragança. Auch in der Ausstellung Touchdown21 geht es um eine Punktlandung, denn sie erzählt die erfundene Geschichte von Menschen mit Down-Syndrom, die als Aliens vor 5.000 Jahren auf der Erde gelandet und geblieben sind – die sogenannte „First Mission“. Nun landete im Oktober 2016 eine zweite Mission auf unserem Planeten, um zu sehen, wie es ihren Vorgängern ergangen ist, von ihnen zu lernen und zu schauen, wie weit sich ihre Vorgänger auf der Erde verteilt haben. Illustriert mit Comic-Zeichnungen von Vincent Burmeister findet sich die Rahmenhandlung der Ausstellung an den sieben Wänden der sieben Themenräume wieder. Menschen mit und ohne Trisomie 21 haben an dem Forschungsprojekt mitgearbeitet und die etwa 200 Exponate zusammengestellt.

Alien springen aus Raumschiff, eins sticht Fahne in Erde.
Aliens landen in dieser Comic-Zeichnung auf der Erde und vermehren weiten sich aus. Foto: Lorraine Dindas

Anne Leichtfuß, Webmasterin bei Ohrenkuss, ein Online-Magazin von Menschen mit und ohne Trisomie 21, erklärt die Idee zur Ausstellung: „Dass meine Redakteur-Kollegen anfangen über ihr eigenes Leben und das Thema Down-Syndrom zu schreiben, kam erst mit den Jahren, als wir merkten, dass es Reaktionen in den sozialen Medien hervorbringt.“ Doch dann wurde das Bedürfnis immer stärker. „Wir erleben es oft, dass Medien ständig über Menschen mit Down-Syndrom berichten, aber diese Menschen selbst nicht zu Wort kommen. Dies wollen wir mit unserem Projekt ändern“, so de Bragança.

Die einzelnen Räume haben eine bestimmte Aussage: So gibt es zum Beispiel einen Raum mit Exponaten von und über die Zeit des Nationalsozialismus. Damit nicht jeder sich mit dieser Thematik zwingend auseinandersetzen muss, wurde der Raum so konzipiert, dass man ihn auch separat von der restlichen Ausstellung betreten kann:Denn behinderte Menschen wurden zur Zeit des zweiten Weltkrieges als nicht lebenswürdig betrachtet. Besonders wichtig sind in diesem Raum Handschriften von Eltern von Kindern mit Down-Syndrom. Sie zieren in großen Lettern diesen Raum. Es handelt sich dabei um Antwortbriefe darauf, dass ihre Kinder umgebracht worden. So heißt es zum Beispiel „Im Prinzip einverstanden; nur dürfen Eltern nicht gefragt werden; es fällt ihnen doch schwer, das Todesurteil für ihr eigen Fleisch und Blut zu bestätigen. Wenn es aber hieße, es wäre an einer x-beliebigen Krankheit gestorben, da gibt sich jedes zufrieden.“

Zwei Bildschirme zeigen einen Mann und eine Frau mit Down-Syndrom
Anna-Lisa Plettenberg und Julian Göpel geben Besuchern die Möglichkeit, sie anzustarren. Foto: Lorraine Dindas

Ein sehr wichtiges Exponat besteht aus zwei Bildschirmen, die an der Wand hängen und zwei Personen zeigen. Anna-Lisa Plettenberg und Julian Göpel, zwei Menschen mit Down-Syndrom. Das Video zeigt die beiden, wie sie einfach dort stehen. Die Leute fragen sich:Was machen sie beruflich? Was verdienen sie? Welche Hobbys haben sie? „Deswegen haben die Besucher hier die Möglichkeit Anna-Lisa Plettenberg und Julian Göpel in aller Ruhe zu betrachten.“ Steckbriefe mit eben diesen Daten hängen direkt neben den Bildschirmen. „Man möchte nicht immer angeglotzt werden“, erklärt Fritzen aus eigener Erfahrung. In ihrer Tandem-Führungssagt sie: „Wenn man mich anstarrt, sieht man nicht, dass ich lesen und rechnen kann. Wenn man mich anstarrt, sieht man nicht, dass ich eine Ausbildung schon längst hinter mir habe.“

Ein Augenfang ist außerdem das Skelett einer Frau, die vor etwa 1.500 Jahren gelebt haben soll. Das Forschungsprojekt stellt sich nämlich die Frage, ob man anhand der Knochen erkennen kann, ob die Person Trisomie 21 hatte. Dafür wurde der Schädelknochen genauestens untersucht. Wie sich herausstellte, hatte die Frau nicht das Down-Syndrom.


Wann:
Noch bis zum 12. März in der Bundeskunsthalle Bonn
Preise: 4 €, ermäßigt 3 €, Familienkarte 7,50 €
Öffnungszeiten: Öffnungszeiten: Montag: geschlossen, Dienstag und Mittwoch von 10 bis 21 Uhr, Donnerstag bis Sonntag von 10 bis 19 Uhr

Weitere Informationen unter: www.touchdown21.info

Eine Galerie mit Ausstellungsstücken gibt es unter: www.rehacare.de

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