Besucher verspeisen „Tote Sau“ auf Mittelaltermarkt

Es war die Zeit der Ritter, der Gaukler und des Burgfräuleins, aber auch der mangelnden Hygiene und der Pest – das Mittelalter. Am Wochenende versetzten sich zahlreiche Besucher in die Zeit zwischen dem 6. und 15. Jahrhundert auf Schloss Burg in Solingen.

Dort fand zum 13. Mal der alljährliche Mittelaltermarkt mit Musik, Händlern und typisch mittelalterlichen Speisen statt. „Volk von Schloss Burg, Aufstellung zum Marktumzug“, rief ein Herr durch ein metallenes Rohr. Mägde, der Trinker, der Ritter und weitere Bewohner folgten seinem Ruf. „Wo ist der Gaukler?“, rief er. Die Antwort folgte: „Der liegt irgendwo besoffen in einer Ecke.“ Mit diesem Schauspiel empfingen die Schausteller die Besucher und zogen quer mit Dudelsack und Trommel durch die Burg. Ihnen folgten auch Araia und Rübezahl, zwei Esel, die vor allem bei den Kindern für große Augen sorgten. Besitzer Ingo Steins ist nicht zum ersten Mal beim Mittelaltermarkt. „Am besten gefällt mir an dieser Epoche, dass wir heutzutage nicht mehr so leben müssen.“ Auf Märkten genießt er die Tiere und das Handwerk. „Wenn ich zu Hause bin, bin ich aber auch froh die Spül- und Waschmaschine anstellen zu können.“

 

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Für viel Aufsehen sorgten auch die vier Serama-Hühner von Andreas Schommer aus dem Saarland. Hahn Kevin ist handzahm und diente auch mal als Schulter-Schmuck. „Das ist die kleinste Hühnerrasse der Welt. Damit die Tiere nicht alleine zu Hause sind, habe ich sie mitgenommen.“ Seit sieben Jahren verkauft er als Händler auf Märkten Keramik und Met. „Einige der Liköre stelle ich selbst her.“ So schmeckt zum Beispiel die angepriesene „Stutenmilch von den schönsten Kamelhengsten aus dem Orient“ nach weißer Schokolade. „Aus dem Mittelalter kommen Sprichwörter, Handwerksberufe und der Burgbau, das ist faszinierend.“

Menschen im Mittelalter wussten nichts von Bakterien

Aber die Tiere hatten nicht nur positive Auswirkungen auf die Menschen, denn sie lebten mit ihren zusammen auf engstem Raum. Dies sorgte unter anderem für viel Nährboden von Krankheiten, wie zum Beispiel die Pest. Müll wurde unachtsam auf den Boden geschmissen, eine Abfallbeseitigung sowie Kanalisation gab es noch nicht. Außerdem wussten die Menschen noch nichts von Viren und Bakterien.

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Hahn Kevin saß ruhig und friedlich auf meiner Schulter. An diesen Schmuck kann man sich gewöhnen.

Während die Gruppierung „Spectaculatius“ auf der Bühne mit mittelalterlicher Musik unterhielt, genossen die Besucher Speisen wie Hanf-Taschen und Tote Sau, ein Brot gefüllt mit geröstetem Fleisch und gebackenem Sauerkraut. Darunter waren auch viele gewandete Besucher, so auch Mutter Julia mit Söhnen Jonas (6) und Bjarne (8) aus Bochum. „Ich habe etwa vier Gewänder zu Hause. Ich kaufe sie und mache teilweise selbst etwas daran.“

Männer tragen gerne mittelalterliche Tunikas

Wer noch ein Kleid suchte war bei Stefanie Brendel aus Leichlingen genau richtig. „Ich verkaufe nur Naturfasern wie Leinen und Baumwolle.“ Jedes Wochenende ist sie auf einem anderen Markt. „Beliebt sind momentan Pumphosen und Zipfeloberteile, Männer kaufen gerne Leinenhemden oder Tunika.“ Die Verkäuferin gibt außerdem Tipps, wie man die Kleidung auch im Alltag kombinieren kann. „Sonst hängt das Stück nur im Schrank und kommt vielleicht nur zwei Mal im Jahr zum Einsatz.

Ebenfalls erschienen im Solinger Tageblatt
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